Als der Herzog zum Unternehmer wurde

Bild: Stadt WF

PM-Stadt-WF. Nach zwei zeitgenössischen Ausstellung geht es mun zurück zum Barock: Vom 11. März bis 2. Juli 2017 wird im Wolfenbütteler Schloss Museum die Sonderausstellung „Kostbarkeiten aus Sand und Asche – entstanden im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel“ zu sehen sein.

Das Museum präsentiert in der Ausstellung kostbare Gläser aus den Glashütten der Weserregion. Von unterschiedlich geschliffenen und geschnittenen Pokalen für den Hof, bis hin zu einfachen Gebrauchsgläsern und Flaschen, wird das Spektrum der Glasproduktion im 18. und 19. Jahrhundert im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel präsentiert. Die Ausstellung ist in Zusammenarbeit mit der Arbeits- und Forschungsgruppe Schorborn entstanden. Für Glasexperte Professor Dr. Matthias Heintzen sind die rund 500 zu sehenden zerbrechlichen Kostbarkeiten etwas ganz besonderes. Denn dass im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel einst wundervolle Gläser hergestellt wurden, ist in den meisten Köpfen so gar nicht verankert. Schorborn ist quasi eine vergessene Manufaktur.

Dünnwandige Gläser waren im Barock begehrte und kostbare Objekte und ein wichtiger Teil prunkvoller höfischer Tafelkultur. Wurden diese Kostbarkeiten aus Sand und Asche für den Hof bis ins 17. Jahrhundert noch vornehmlich in Venedig gefertigt, so lieferte im 18. Jahrhundert die Schorborner Glashütte bedeutende Gläser an den Braunschweiger Hof. Am 29. Dezember 1743 beauftragte nämlich Herzog Carl I. zu Braunschweig und Lüneburg, Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel, seinen Kammerrat Thomas Ziesich, eine landesherrliche Glasmanufaktur – die Fürstlich Braunschweigisch-Lüneburgische Hohl- und Tafelglashütte – an der Weser aufzubauen.

Dieser Auftrag war Teil einer wirtschaftlichen Offensive größten Umfangs im Herzogtum. Der Herzog wurde zum Unternehmer und gründete zahlreiche Manufakturen wie die Fürstenberger Porzellanmanufaktur und die Glashütte in Schorbon. Mit diesen Aktivitäten wollte Herzog Carl gezielt den wirtschaftlich schwachen Weserdistrikt stärken, gleichzeitig die sonst nicht nutzbaren Holzvorräte des Sollings verwerten und das Herzogtum mit Gebrauchs- und Luxuswaren aus Glas und Porzellan versorgen.Zudem knüpfte er an eine bestehende Tradition an, denn schon im 16. und 17. Jahrhundert kamen auf Geheiß der Braunschweiger Herzöge Glasmacher in diese Gegend. Die Wurzeln der regionalen Glasmacherkunst reichen sogar bis in das frühe Mittelalter zurück.

Keine andere Glashütte des oberen Weserraumes verfügte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und im beginnenden 19. Jahrhundert über eine vergleichbare Form- und Gestaltungsvielfalt wie die Hütte am Schorbornsteich und ihre Filiationen in der Umgebung. Pokale, Kelche, Bouteillen, Gebrauchsgläser, Gläser mit farbiger Emaille-Bemalung, Apparate- und Medizingläser sowie Geschirr – die Glasmacher entfalteten eine breite Kreativität und hohe Produktivität.

Seltene Ausstellungsstücke aus öffentlichen und privaten Sammlungen werden im Schloss Museum zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt. „Das ist schon eine Sensation“, sagt der Glasexperte.

Öffnungszeiten sind dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Montags geschlossen.

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