Kampfmittel-Räumdienst musste ran

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pm-regiopress-wf. Neubauten am Exer – das kommt nicht alle Tage vor. Und doch hat sich das Technische Innovationszentrum Wolfenbüttel (tiw) zum Verkauf eines Grundstücks entschieden, um den Bau von Studentenwohnungen zu ermöglichen. „Wir haben lange überlegt, was wir mit der grünen Wiese anfangen können“, erzählt tiw-Geschäftsführerin Carola Weitner-Kehl. Immerhin handelte es sich bei dem rund 4000 Quadratmeter großen Grundstücks in direkter Nachbarschaft der Salzdahlumer Straße um „ein echtes Filetstück.“

Gekauft hat die Firma bauplan GmbH aus Peine. „Wir haben das Projekt entwickelt und an einen Investor weiterverkauft“, berichtet bauplan-Geschäftsführer Jens Segler. „Das Objekt wird von uns schlüsselfertig erstellt und vollständig möbliert an eine hessische Sparkasse übergeben“

Die bauplan GmbH errichtete bereits Studentenwohnheime in Braunschweig, Lüneburg, Wolfsburg und Hannover. In Wolfenbüttel werden 67 Einzelzimmer-Appartements erstellt. Der Erstbezug wird zum Wintersemester 2018 erfolgen.

„Zu Beginn der baulichen Tätigkeiten auf dem Gelände Am Exer, warteten im Untergrund einige Überraschungen auf uns“, erzählt Segler: Im Zuge der Erdarbeiten stießen die Bagger auf alte Fundamente aus Beton und Backstein. „Das haben wir so nicht erwartet, da die im Vorfeld genommenen Bodenproben keinen Hinweis auf Altlasten gaben.“ Mittlerweile wurde alles entfernt, geschreddert und ein fachgerechter Baugrund hergestellt.

Ein alter Plan des ehemaligen Kasernengeländes verzeichnete auf dem Grundstück zwei Gebäude. Auch die Neubauten werden wieder in der gleichen Ausrichtung auf dem Gelände platziert. Bevor jedoch die Bodenplatten (ohne Keller) gegossen werden konnten, musste der Kampfmittelräumdienst anrücken. „Tatsächlich lag eine kleine Ecke von zehn Quadratmetern in einem neuralgischen Bereich“, erzählt der Geschäftsführer. „Gefunden wurde aber nichts.“

4,8 Millionen Euro Investitionsvolumen

Die Neubauten der beiden Häuser umfassen ein Investitionsvolumen von 4,8 Millionen Euro. „Hier in direkter Nachbarschaft zur Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften gibt es einen großen Bedarf an Wohnraum für Studenten, und das wird auch so bleiben“, urteilt Segler. Es habe im Vorfeld Gespräche mit der Hochschule und dem Studentenwerk gegeben. „Man erwartet hier keinen Leerstand.“ Ganz im Gegenteil, auch nach Fertigstellung der neuen Wohnheime werde weiterer Bedarf vorhanden sein.

Betreiber der neuen Einrichtung wird ein Unternehmen aus Braunschweig, das sich auf Studentenwohnheime spezialisiert hat. „Das Studentenwerk selbst darf nur eigene Immobilien vermieten und kam deshalb nicht in Frage.“ Die Planung des Neubaus erfolgte in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege. „Wir haben mit den Satteldächern und der Fassade nicht nur dem Denkmalschutz Rechnung getragen, sondern auch die gesamte Anmutung des Exers aufgegriffen.“

Komplettiert werden die beiden Neubauten durch 24 Pkw-Parkplätze und 67 Stellplätze für Fahrräder. „Aus Erfahrung wissen wir, dass mittlerweile längst nicht jeder Student ein Auto hat“, sagt Segler schmunzelnd, „aber mit dem Fahrrad fahren sie alle.“ Und er fügt ein Lob an die Wolfenbütteler Stadtverwaltung an: „Ob Anträge oder Genehmigungen, das war eine positive und reibungslose Zusammenarbeit.“

So sind alle Beteiligten zufrieden, denn auch für das tiw ist der Grundstückverkauf kein Verlust. „Die bisher brachliegende Wiesenfläche wird nun eine attraktive und zudem zum Ostfalia-Campus stimmige Nutzung erfahren“, erklärt Carola Weitner-Kehl. Zudem spülte der Verkauf der rund 4000 Quadratmeter Geld in die Kassen, das der Verein tiw gut verwenden kann. „Einerseits haben wir in unsere neue Fortbildungsreihe investiert. Auf diese Weise können wir günstige Seminare mit Ostfalia-Know-How anbieten.“

Andererseits stünden nach wie vor Sanierungen im Gebäudebestand des tiw im Vordergrund. „Schieferdächer werden zwar grundsätzlich als sehr langlebig und haltbar eingestuft, dennoch müssen wir mittlerweile erhebliche Dachschäden bei allen Kasernengebäuden feststellen, die immerhin bereits im Jahr 1936 errichtet wurden – wir müssen also dringend was tun.“

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