»Konrad Adenauer ist für mich das größte Glück Deutschlands.«

Die Talkrunde von Frank Oesterhelweg

Frank Oesterhelweg und die CDU-Wolfenbüttel luden am Mittwoch in die Kommisse ein, um Konrad Adenauer zu gedenken.

Es gibt viele Zitate von Konrad Adenauer. Das Lieblingszitat von Frank Oesterhelweg handelt von der Pflicht. Der erste Kanzler der Bundesrepublik habe einmal gesagt, dass er von sich in späteren Zeiten eine Beurteilung wünsche, dass er seine Pflicht getan habe. Diese späteren Zeiten sind angebrochen. Vor genau 50 Jahren starb der 1876 in Köln geborene Jurist, spätere Oberbürgermeister der Domstadt und Vater unserer jungen Demokratie nach 1945. Gut, es gab den einen oder anderen Zeitungsbericht. Hier wurden eine Straße oder ein Platz nach ihm benannt, wie auch in Wolfenbüttel und Heiningen von Frank Oesterhelweg vorgeschlagen, oder es wurde der findige Tüftler und Erfinder gelobt, der in den Notzeiten der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts gar ein spezielles Brot und eine Sojawurst erfand. Dort der gewiefte Staatsmann und Außenpolitiker. Was fehlte, das war ein emotionaler Akt. Kulturen definieren sich immer über Geschichte. Die Identität erzählt die Geschichte eines Menschen oder einer Gruppe. Und die besonderen Ereignisse oder Menschen sind identitätsstiftend. Im großen Rahmen fehlte so ein Moment des Innehaltens. Dass Konrad Adenauer so ein besonderer Mensch war, das wurde in dem von der Wolfenbüttler CDU organisierten Abend in der Kommisse deutlich und setzte einen würdigen Kontrapunkt in der Gedenkkultur.

Stilechtes Ambiente mit Pfannkuchen und Kölsch

Frank Oesterhelweg hatte eingeladen und die Gäste strömten zahlreich ab 18 Uhr am Mittwoch in den niedrigen Saal des historischen Gebäudes der Lessingstadt. Die Stuhlreichen waren in drei Gruppen angeordnet, sodass man sich sehen konnte – ein Einfall, der mit dem zu Ehrenden zusammenhing. Oesterhelweg sprach von der Wirkung des charaktervollen Porträts Adenauers, welches in der CDU-Geschäftsstelle hängt, und regte dazu an, dass auch die Gäste einander betrachten sollten. Und tatsächlich, man spürte, wie die Faszination, die der Staatsmann noch immer ausstrahlt, auf die Gäste übergriff. Über einen Beamer sah man eine Dokumentation mit dem »Alten aus Rhöndorf« – wie er bedächtig in die Kamera blickt. Ruhig und gemessen den Fragen der Journalisten antwortete. So sachlich und ruhig wünscht man sich heute mal eine Talkrunde. Oder wie er in aller Ruhe seine berühmten Rosen schnitt. Im Foyer gab es eine kleine Ausstellung. Schließlich wurde für das leibliche Wohl gesorgt: Als Besonderheit des Abends gab es Kölsch.
Und draußen wurde Apfelpfannkuchen gebacken. Eine Spezialität, wie Frank Oesterhelweg in seinem Gedenkvortrag erinnerte, die Adenauer geliebt habe. Stilecht hätte es noch Wein geben müssen, räumte der CDU-Landtagsabgeordnete augenzwinkernd ein, da Adenauer ein passionierter Weintrinker war. »Aber als Oberbürgermeister von Köln hat er bestimmt auch hier und da Kölsch getrunken«, meinte Oesterhelweg.

Die Wolfenbüttler CDU-Prominenz gab sich ein Stelldichein.

Das Gesicht unseres Landes

Ohne Adenauer, so Oesterhelweg in seiner Rede, hätte sich unser Land nicht so entwickelt, wie es wir es heute kennen. Ein Land mit persönlichen Freiheiten und dem Schutz der Persönlichkeitsrechte – so wie dies der erste Kanzler in seiner Regierungserklärung im September 1949 bereits forderte. Adenauer wusste, wovon er sprach. Denn er wurde in der Zeit des Nationalsozialismus nicht nur aller Ämter enthoben, sondern saß im Gefängnis. Frank Oesterhelweg erinnerte daran, dass es Adenauer gewesen sei, der Deutschland aus dieser tiefsten Krise mit herausgeführt und der jungen Demokratie ein prägendes Gesicht gegeben habe. Er habe den Menschen die Hoffnung und die Kraft zum Wiederaufbau des Landes gegeben.
Die Westbindung und die Einheit Europas, das, so Oesterhelweg, seien noch aktuelle Visionen, an denen Adenauer schon arbeitete. »Wir müssen das Erbe Adenauers hegen und pflegen, aber ebenso weiter entwickeln«, forderte der Politiker. Die Situation nach dem Krieg sei ungleich schwerer gewesen als heute. Dennoch habe man die Ärmel aufgekrempelt und gearbeitet. Der Kanzler zuvörderst. Diese Einstellung wünscht sich Oesterhelweg heute wieder. All dies mit der rheinischen Lockerheit des Altkanzlers, der sich selbst immer im Lernprozess sah – selbst im hohen Alter – und der auch »gönnen konnte«.

Talkrunde mit Zeitzeugen

Nach dem Festvortrag gab es eine interessante Talkrunde mit Zeitzeugen, die für den Abend verpflichtet werden konnten. Allen voran ein Gründungsmitglied der CDU – Günther-Helge Strickstrack, 96 Jahre alt, der im Gespräch die Verbindung von Prinzipienfestigkeit und Flexibilität Adenauer lobte.
So habe der Bundeskanzler, erzählt Strickstrack, Franz-Josef Strauß einmal prophezeit, er werde unter ihm niemals Minister. Nachdem er ihm einige Jahre dennoch einen Posten angeboten habe, hätte Strauß gefragt, woher der Sinneswandel käme. Adenauer habe zurückgefragt, ob Strauß, denn tatsächlich glaube, dass er nicht lernfähig sei. Fehler machen und zugeben gehört zu einem guten Politiker. Das gilt heute wie damals. Mit in der Runde saß auch Otto Fricke junior aus Goslar, der den Kanzler bei seinem Vater in der familiären Kaffeetafel kennenlernen durfte, sowie Admiral a.D. Christian Giermann, der als Kapitän das Schnellboot befehligte, auf dem der verstorbene Kanzler seine letzte Reise auf dem Rhein machte. In einer lockeren Gesprächsrunde tauschten sich die Zeitzeugen über den Menschen und Politiker Adenauer aus, streiften aber genauso aktuelle Themen.

Würdiger Rahmen des Gedenkens

Der Abend in der Kommisse erinnerte an einen großen Politiker und Staatsmann. Er erinnerte an einen Menschen, der unser Land in die Demokratie geführt hat und dabei half, ihm die Würde wiederzugeben, indem er versöhnend und verbindend Deutschland stark machte, in ein europäisches Ganzes einbaute und damit die längste Friedensphase in Europa mit anderen Staatsmännern einläutete. Ein Mensch schließlich, der Vorbild sein könnte für unsere heutige Zeit. Günther-Helge Strickstrack bringt es denn auch am Ende der gelungenen Veranstaltung auf den Punkt, als Frank Oesterhelweg den 92-jährigen bittet, den Satz zu vervollständigen: »Konrad Adenauer ist für mich…« Strickstrack wiegt den Kopf, nimmt das Mikrofon fest in die Hand und spricht mit leiser, aber klarer Stimme – ohne lange zu überlegen: »Konrad Adenauer ist für mich das größte Glück Deutschlands.«

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